ProductDetails

  • 01. Peba
    02. Rew Be Me
    03. Femme Africaine
    04. Montealla
    05. La Musique
    06. Idesouse
    07. Iseo
    08. Timtitu

    Star Feminine Band

    Femme Africaine

    Aus einer abgelegenen Region im Nordwesten von Benin kommt die siebenköpfige Star Feminine Band, eine Gruppe junger Mädchen im Alter zwischen neun und fünfzehn Jahren, die frech, unbeschwert und voller Energie Genres wie Garage-Rock, Pop und traditionelle Songs ihrer Heimat durcheinanderwirbeln. Geboren wurde die Band 2016 als Idee des professionellen Musikers André Baleguemon. Er wollte eine ausschließlich weiblich besetzte Band zusammenstellen, die sich den aktuellen Themen der Zeit annahm. Im Zentrum sollten Gitarre, Schlagzeug und Keyboards stehen, weil er diese Instrumente seit seiner Kindheit im ländlichen Tchaourou als Zeichen von Moderne bewundert hatte. Der Grund für seine Initiative: „Im Norden haben Mädchen keine Möglichkeiten weiterzukommen und Frauen werden an den Rand gedrängt. Ich wollte einfach zeigen, wie wichtig Frauen in der Gesellschaft Nord-Benins sind, indem ich ein weibliches Orchester gründe.“ Gesagt, getan: Unterstützt von der 35.000 Einwohner zählenden Stadt Natitingou, die fünfzehn Stunden Fahrt vom Regierungssitz Cotonou entfernt liegt, veröffentlichte André eine Pressemitteilung beim Radiosender Nanto FM, in der er kostenfreie Musikstunden für Mädchen anbot. Dem Aufruf folgten Dutzende junger Musikerinnen. „Die Mädchen wussten nichts über Musik – wir entschieden uns für sieben Mädchen aus den umliegenden Dörfern mit Waama und Nabo-Hintergrund. Einige von ihnen hatten Instrumente wie Keyboards noch nie gesehen.“ André kaufte zwei Schlagzeuge, zwei Gitarren, Keyboards und Percussion und die ersten Proben mit den hochmotivierten neuen Rekrutinnen begannen. Die Band machte in den intensiven Workshops und Proben erstaunlich schnell große Fortschritte und es kristallisierte sich folgendes Line-Up heraus: Angelique und Urrice an Schlagzeug und Gesang, unterstützt von der dritten Schlagzeugerin Marguerite, Sandrine an Keyboards, wie auch Grace, die außerdem singt. Julienne ist am Bass und Anne an der Gitarre zu hören. Die Band hat mittlerweile Dutzende Konzerte in der Region gespielt, ihr Repertoire immer weiter ausgebaut und viele Fans vor Ort gewonnen, darunter viele Frauen, Eltern mit ihren Kindern und Ältere, für die es ansonsten auf dem Land nur wenig kulturelle Ablenkung gibt. Neben den musikalischen Fortschritten legt André Baleguemon einen weiteren Schwerpunkt seiner Arbeit darauf, die Familien von der Wichtigkeit des Projekts auch in menschlicher Hinsicht zu überzeugen, und zu bewirken, dass die Mädchen weiter in die Schule gehen statt in Gelegenheitsjobs als Straßenverkäuferinnen oder in die Heirat gezwungen zu werden. Es gibt in der Geschichte der populären Musik Afrikas viele große Künstlerinnen, aber nur wenige weibliche Bands, darunter die Amazones de Guinée, die Famille Bassavé und les Colombes de la Révolution in Burkina Faso, die Sœurs Comoë aus der Elfenbeinküste oder die Lijadu Sisters aus Nigeria. In Benin gab und gibt es nichts Vergleichbares in puncto Haltung, Freiheit, Originalität und vor allem Talent. Haupteinflussquelle für die Band ist laut André die große Angélique Kidjo, die selbst aus dem Benin stammt: „Sie ist eine Frau, die man nicht ignorieren kann. Auch auf Miriam Makeba wie auch Sagbohan Danialou und Stanislas Tohon sind wir sehr stolz und Kaba Diya, das große Orchester aus der Gegend hat uns stark inspiriert.“ Das zwischen 1979 und 1983 aktive Orchester Kaba Diya hatte sich nach dem Helden der Region „Kaba“ benannt, der im Ersten Weltkrieg den Militärdienst verweigerte und danach einen bitteren Guerillakrieg gegen die französische Kolonialmacht führte. In vielen ländlichen Regionen des afrikanischen Kontinents und auch in manchen Metropolen hat sich das Leben der Frauen seit den 1960er Jahren, als während der Unabhängigkeitskämpfe ein positiver Wandel zu Modernität, Kultur und Emanzipation angestrebt wurde, kaum verändert. Selbst die aktuelle MeToo-Bewegung hat bislang keinen spürbaren Wandel bewirkt. Die Star Feminine Band thematisiert die Lage der Frauen in ihren Texten, die in verschiedenen Sprachen verfasst sind. André Baleguemon dazu: „wir komponieren Songs in Französisch, Waama und Ditamari, zwei unbekannte ethnische Gruppen aus dem Norden. Wir singen in unserem neuen Repertoire auch Songs in Bariba und Fon, der Hauptsprache in Benin, um von möglichst vielen Menschen verstanden zu werden.“ André komponiert die Songs, aber alle sieben Bandmitglieder bringen ihre eigenen Ideen mit ein, wie er sagt: „Sie sprechen über die weibliche Genitalverstümmelung, Missbrauch und Gewalt gegen Frauen. Wir wollen diese Themen in die politische Debatte in Benin und wenn möglich, auch anderswo in Afrika einschließen.“ Der Song „Peba“ ist in der Sprache Waama geschrieben und handelt von Mädchen, die zur Schule gehen, um sie selbst sein zu können; in „Femme Africaine“ geht es auf Französisch gesungen um Selbstbestimmung und Freiheit. „Timtilu“ in der Ditamari-Sprache animiert dazu, die eigene Kultur zu ehren und nicht aufzugeben; „Rew Be Me“ in der Peul-Sprache, ist eine Ode an die Frau, ein Song über die Emanzipation und eine Bestärkung, den eigenen Weg zu gehen. Das in Bariba gesungene Stück „Iseo“ will die Menschen aus unterschiedlichen Regionen und Kulturen vereinen, um sie voranzubringen und „Idesouse“ spornt Mädchen dazu an, ihre Schulzeit nicht zu früh zu beenden. Ende 2018 brachte ein Treffen mit dem jungen französischen Toningenieur Jérémie Verdier das Projekt in Bewegung. Er holte seine spanischen Freunde Juan Toran und Juan Serra mit ihrem Aufnahmegerät an Bord, um die ersten Songs im Anbau eines Museums in Natitingou einzuspielen. Rein zufällig hörte Jean-Baptiste Guillot vom Label Born Bad Records die Aufnahmen und beschloss, die Band Ende 2019 in ihrer Heimat zu treffen. Daraus entwickelte sich die jetzt anstehende Albumveröffentlichung. Mit einer gehörigen Portion Selbstvertrauen, viel Charisma und nicht zuletzt einem tiefen Glauben hat sich die Star Feminine Band zum Stolz der Atakora-Region entwickelt. Die Bandmitglieder verkörpern die Zukunft. Sie schauen sich nach Ausbildungsberufen um und bereiten damit den Boden für die nächste Generation der Mädchen aus der Provinz. Gerry Goffins berühmte Aussage „In the Sixties, God was a young black girl who could sing” nimmt sechzig Jahre später in einer vergessenen Provinz des afrikanischen Kontinents neue Bedeutung an.
    Format
    LP
    Release-Datum
    13.11.2020
    EAN
    EAN 3521381 561852
    Format
    CD
    Release-Datum
    13.11.2020
    EAN
    EAN 3521383 461846
     

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